Friedensreich Hundertwasser - MIT DER LIEBE WARTEN TUT WEH - WENN DIE LIEBE WOANDERS IST
Die Vorlage vom Jahr 1966 war in einer tiefen, persönlichen Krise entstanden; er hatte die Gelben Häuser zusätzlich Eifersucht benannt. Geschlossene Fenster, das Mädchenantlitz und Tränen; alles unterstrich das Thema. Der Titel der Grafik drückt – Jahre später – dies immer noch aus. Die Druckerei Dietz, von ihrer eigentlichen Zielsetzung her, nämlich von einem Original kaum unterscheidbare Faksimiles von Kunstwerken herzustellen, an höchste Präzision und raffinierte Mittel zwar gewohnt, erreichte nun in so unmittelbarer Zusammenarbeit eine Qualität ganz außerordentlicher Art. Etwa die Hälfte der 35 Farbauszüge, die in kompliziertesten Vorgängen geschaffen und übereinandergedruckt werden müssen, war dem Künstler, die andere Hälfte dem Techniker überlassen, wobei es hier zu präzisieren gilt, dass Hundertwassers Anteil in zehn Bildschöpfungen auf Transparentfolien bestand; man hatte modernste Druckmaschinen zur Verfügung, baute mit erstaunlicher Erfinderbegeisterung Möglichkeiten, Ideen, Wunschvorstellungen aus, und kam so zu Ergebnissen sondergleichen. Die Farben führten zu ganz eigenen Wirkungen. Sie leuchten in der Dunkelheit und geben in unbeleuchteten Räumen merkwürdige Effekte. Durch Ausprägen eines verschieden gerichteten Blindrasters „funkeln die metallenen Kuppeln in einer mysteriösen Räumlichkeit“. Man muss den Enthusiasmus des damaligen Teams in Lengmoos gekannt haben, um zu verstehen, dass einem die Mittel etwas entglitten. Es kann nicht ganz zu leugnen sein, dass die Erfindungen reizvoller Druckvorgänge manche Grenzen des künstlerischen Ausdrucks zumindest erreichten. Dennoch ist nicht zu bezweifeln, dass jede Zeit den Künstlern technische Chancen bietet und in der Vergangenheit geboten hat; deren Grenzen auszuloten war immer ihre Aufgabe gewesen.
Weitere Arbeiten des Künstlers finden Sie in unserem Künstlerarchiv unter Friedensreich Hundertwasser. |