Friedensreich Hundertwasser - GOOD MORNING CITY
Eine Idee in die Tat umzusetzen, das liegt dieser intensiven Arbeit des Jahres 1969 zugrunde. Es ging Hundertwasser darum, die zum Bild gewordene Überzeugung – schon 1952 in Wien gemalt -, dass nämlich Hochhäuser einer Stadt durch das Fensterrecht, durch buntfarbiges Bemalen und freies Gestalten – menschenwürdig – zu werden vermögen, an möglichst viele Menschen heranzutragen: "Wenn der Mensch sich vom Boden entfernt, kann er es durch seine eigene Schöpfung wettmachen." Hundertwassers Wunsch, solches Leitbild zu verbreiten, Signalwirkungen für viele zu erzielen und an viele durch eine gewaltige Grafikauflage heranzukommen, wozu ihn die Technik der Serigraphie, die qualitativ völlig gleichwertige Auflagenhöhen ermöglicht, ermutigte, ließ ihn den Einzelpreis von 100 DM bestimmen, so dass die Graphik für aller erschwinglich sei. Der Drucker Lino Coin vom Studio Quattro übernahm diese Aufgabe, die sich über fast zwei Jahre hinzog, und das Abkommen mit Dorothea Leonhart, der Münchner Galeristin, die dieses Blatt in Auftrag gegeben hatte, regelte die wirtschaftliche Seite. Kam es technisch zu den großartigsten Varianten – ein ausgeklügeltes System ließ zunächst 40 Farbversionen zu je 200 Abdrucken entstehen -, so geriet die Zusammenarbeit zwischen den drei Vertragspartnern in starke Gegensätze, die zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führten. Hundertwasser wandte sich an den Verlag Ars Viva in Zürich und begann mit der Überarbeitung der restlichen Auflage in zehn Versionen mit Phosphorfarben und Metallprägungen. "Schöne Wolkenkratzer" zu schaffen hat Schule gemacht. In San Francisco etwa wurde Order gegeben, sämtliche Hochhäuser zu ornamentieren. Die große Verbreitung dieses Blattes hat zu außerordentlichen Wirkungen geführt, so dass Hundertwasser gewiss nicht zu Unrecht sagt: "Ich halte das für ein sehr bedeutendes Werk der Grafik".
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